Warum „gut gemeinte Ratschläge“ nicht gut sind und wie ich damit umgehe.

Ich kenne beide Seiten. Diese Situationen, wo man sich denkt: „Denkt die andere Person denn gar nicht mit? In meiner Welt macht das Handeln von Person X einfach keinen Sinn, ich MUSS etwas dazu sagen.“

[Disclaimer: Im folgenden Text geht es bei diesem „etwas“ um ungefragte Ratschläge, nicht um hilfreiche Kommentare bzw. aktive Hilfe.]

Nur, wenn es um die Entscheidungen geht, die andere Personen ganz allein treffen dürfen und müssen, sind Ratschläge nicht zielführend.

Ich gebe es zu: Ich bin es leid, mir „gut gemeinte Ratschläge“ anzuhören. Immer wieder und wieder kommen sie, im Alltag, ohne Vorwarnung, diese Ratschläge, in meinem Falle meist von älteren Frauen. Auf Arbeit, draußen in der Stadt, beim Arbeiten im Café. Überall.

Die Worte, die gewählt werden, der Unterton und der Blick, es liegt an der Kombination.

„An Ihrer Stelle würde ich da drüben parken. Da ist viel mehr Platz. Fahren Sie einfach da rüber, da, sehen Sie wo?…“

Er symbolisiert mir, dass die Meinung dieser Person gefälligst zu beachten ist und dass diese Meinung mehr wert ist als meine, denn sie ist „richtiger“. Zumindest subjektiv betrachtet fühlt es sich so an.
Und ich habe tausend Argumente im Hinterkopf, die die Meinung dieser Person und ihren Ratschlag sofort sinnlos erscheinen lassen würden, jetzt, im Nachhinein.

Meist bin ich so perplex, dass ich nichts antworte.

Es ist keine Hilfe, denn es führt zu keinem Ziel.

Woher weiß jemand anderes, wie viel Lebenserfahrung ich habe?
Woher weiß jemand anderes, was gut für mich ist?

Durchatmen. Ein. Aus.

Ich hab mich lange gefragt, warum man das macht, solche Ratschläge zu geben.
Egal, wo im Kern der Aussage etwas Nettes schlummern mag, es kommt nichts wertvolles bei der anderen Person an. Es geht um negatives Denken und ums Schubladen denken, weil das die Komplexität der Welt reduziert.

Ich wünsche mir, dass „Ratschlag Gebende“ einfach loslassen.

Ich wünsche mir, dass Andere auch ans Gute glauben, wie das Gesetz der Anziehung, an Vertrauen und daran, dass andere Menschen eigene Erfahrungen machen möchten und ihren eigenen Menschenverstand nutzen.

Es geht nicht darum, bei akuter Gefahr nicht zu handeln. Sondern darum, in sonstigen Situationen nicht sinnlos ohne Nachzudenken zu reden.

Und was mache ich? Man kann andere nicht ändern, nur sich selbst.

Was ändere ich also?

Ich mach meine Gedanken frei.
Die schlechte Nachricht:
Es wird wohl schwierig sein, zu vermeiden, „gut gemeinte Ratschläge“ zu erhalten.
Die gute Nachricht:
Ich gönne mir, loszulassen. Denn: Ich muss nichts, ich kann selbst entscheiden, wie ich damit umgehe.
Solltest du auch in so einer Situation sein, mache dir bewusst:

  • Ich muss keine Tipps annehmen, die mir gegeben werden. Ich kann frei entscheiden, wovon ich mich inspirieren lasse.

Mache dir ebenso bewusst:

  • Ich muss den Ratschlag nicht annehmen. Das ist ja das Gute an einem Ratschlag. Er ist freiwillig. Es ist keine Handlungsanweisung mit Pflichtcharakter.

Ich habe mir vorgenommen, zu antworten und mir das nicht mehr gefallen zu lassen, egal, wie sie das finden werden. Nett und ruhig zu antworten,

Danke, aber ich möchte Ihren Ratschlag nicht annehmen.

Das wird sich so gut anfühlen. Ich freu mich schon jetzt auf die erste Anwendung. Und wenn mir nichts einfällt: Einfach ignorieren und loslassen: Jede Botschaft in der Kommunikation sagt mehr über den Sender aus als über den Empfänger und es mag vielleicht ein kleines bisschen frech sein, aber du wirst dich sehr wohl fühlen, so bewusst entschieden zu haben. 😉

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